Aufsuchende Familientherapie
Systemisch-familientherapeutische Hilfe – bei Ihnen zu Hause & immer zu zweit
Familientherapie im Alltag der Familie – systemisch, ressourcenorientiert & verlässlich
Genau hier setzt die Aufsuchende Familientherapie an: bei Familien, für die eine intensive, systemisch-familientherapeutische Unterstützung sinnvoll ist und herkömmliche Beratungsangebote nicht ausreichen oder die Familie nicht ausreichend erreichen.
Was ist die Aufsuchende Familientherapie?
Eine ambulante Hilfe zur Erziehung nach § 27 Abs. 2 SGB VIII, die familientherapeutisches Arbeiten mit der Verlässlichkeit einer ambulanten Jugendhilfeleistung verbindet. Die therapeutische Arbeit findet dort statt, wo das Familienleben tatsächlich stattfindet – im Alltag und im häuslichen Umfeld. Dadurch können Beziehungen, Kommunikationsmuster und familiäre Dynamiken unmittelbar wahrgenommen und gemeinsam bearbeitet werden.
Für wen ist die Aufsuchende Familientherapie geeignet?
Belastende Lebenssituationen und Krisen
Körperliche oder psychische Erkrankungen von Familienmitgliedern, Suchtproblematiken oder schwierige Trennungen bringen ein Familiensystem an seine Grenzen.
Überforderung im gemeinsamen Alltag
Etwa bei ausgeprägter ADHS, Essstörungen, Traumafolgestörungen, bei regressiven oder aggressiven Verhaltensweisen, Schulverweigerung oder delinquentem Verhalten.
Anhaltende Konflikte in der Familie
Fortwährende Auseinandersetzungen in der Eltern-Kind-Beziehung oder zwischen Geschwistern, auch Paarkonflikte auf Elternebene.
Gewalt, Missbrauch und Suchtmittelkonsum
Negativerfahrungen, die das Zusammenleben und die Sicherheit in der Familie prägen.
Latente oder drohende Kindeswohlgefährdung
Situationen, in denen sich eine Gefährdung des Kindeswohls andeutet oder abzeichnet.
Familien nach einer Trennung
Wenn Absprachen zwischen getrennt lebenden Eltern nicht mehr funktionieren und Kinder das austragen.
Was ist das Ziel?
Ziel ist es, Veränderungen innerhalb des Familiensystems anzustoßen und die Familie darin zu stärken, eigene Lösungen zu entwickeln und langfristig selbstständig umzusetzen. Dabei geht es unter anderem darum,
- familiäre Beziehungen zu stärken
- Kommunikation und gegenseitiges Verständnis zu verbessern
- Konflikt- und Problemlösungsfähigkeiten zu erweitern
- Eltern in ihrer Erziehungsverantwortung zu stärken
- die Bedürfnisse von Kindern und Jugendlichen besser wahrzunehmen
- vorhandene Ressourcen der Familie zu aktivieren
- Krisen zu bewältigen und zukünftigen Krisen vorzubeugen
- eine nachhaltige Stabilisierung des Familienalltags zu erreichen
Systemisch und lebensweltorientiert – so schauen wir auf Familien
Im Mittelpunkt stehen die Beziehungen, Wechselwirkungen und Kommunikationsprozesse innerhalb der Familie. Wir interessieren uns nicht nur dafür, was schwierig ist, sondern auch dafür: Welche Muster wiederholen sich? Was hält ein Problem aufrecht? Was funktioniert bereits? Und was könnte in Zukunft anders gestaltet werden?
Warum immer zwei Fachkräfte kommen
Zwei Perspektiven auf dasselbe System
Zwei Fachkräfte nehmen unterschiedliche Sichtweisen ein und können dadurch genauer wahrnehmen, was zwischen den Familienmitgliedern passiert.
Qualifikation der Fachkräfte
Die beteiligten Fachkräfte verfügen über pädagogische und/oder systemisch-therapeutische Qualifikationen.
Regelmäßige Reflexion
Teamsitzungen, Fallberatung und Supervision sichern die fachliche Qualität – auch in komplexen Situationen.
Ablauf & Rahmenbedingungen
- Zugang über das zuständige Jugendamt beziehungsweise den Allgemeinen Sozialen Dienst
- Erstgespräch zum gegenseitigen Kennenlernen – ohne Verpflichtung
- Gemeinsame Zielentwicklung im Rahmen der Hilfeplanung
- Regelmäßige Termine im häuslichen Umfeld, durchgeführt von zwei Fachkräften
- Fortlaufende Reflexion durch Fallberatung und Supervision
- Transparente Rückmeldung an alle Beteiligten und regelmäßige Hilfeplangespräche
Häufige Fragen zur Aufsuchenden Familientherapie
Was ist die Aufsuchende Familientherapie genau?
Die Aufsuchende Familientherapie ist eine ambulante Hilfe zur Erziehung nach § 27 Abs. 2 SGB VIII. Sie verbindet familientherapeutisches Arbeiten mit der Verlässlichkeit einer ambulanten Jugendhilfeleistung. Nicht eine einzelne „Problemperson“ steht dabei im Mittelpunkt. Wir schauen darauf, wie sich Schwierigkeiten innerhalb der Familie entwickeln, aufrechterhalten und gegenseitig beeinflussen. Die Familie wird als System verstanden, in dem jedes Mitglied mit seinen Erfahrungen, Bedürfnissen und Handlungsmöglichkeiten Teil der gemeinsamen Situation ist.
Was ist der Unterschied zwischen Aufsuchender Familientherapie und Sozialpädagogischer Familienhilfe?
Beide Hilfen kommen zu Ihnen nach Hause. Die Sozialpädagogische Familienhilfe (SPFH) unterstützt vor allem bei der Bewältigung des Alltags – Struktur, Erziehungsfragen, Behördenkontakte. Die Aufsuchende Familientherapie setzt therapeutisch an: Sie arbeitet an Beziehungsmustern, Kommunikation und den Dynamiken im Familiensystem, wird von zwei Fachkräften gemeinsam durchgeführt und kommt dort zum Einsatz, wo herkömmliche Beratungsangebote nicht ausreichen. Häufig ist die Aufsuchende Familientherapie die intensivere Hilfe.
Wer bezahlt die Aufsuchende Familientherapie?
Die Aufsuchende Familientherapie ist eine Hilfe zur Erziehung nach dem SGB VIII. Die Kosten trägt das zuständige Jugendamt, wenn der Hilfebedarf im Rahmen der Hilfeplanung festgestellt wurde. Für Familien entstehen dadurch in der Regel keine eigenen Kosten.
Wie bekommen wir Aufsuchende Familientherapie?
Der Weg führt über das zuständige Jugendamt beziehungsweise den Allgemeinen Sozialen Dienst Ihrer Stadt oder Gemeinde. Dort wird gemeinsam mit Ihnen geprüft, welche Hilfe passt. Sie dürfen dabei einen Wunsch äußern, welcher Träger die Hilfe durchführen soll. Wenn Sie unsicher sind, ob die Hilfe das Richtige ist, sprechen Sie uns gern vorab an – wir ordnen das mit Ihnen ein.
Findet die Therapie wirklich bei uns zu Hause statt?
Ja, das ist der Kern der aufsuchenden Arbeit. Wir kommen dorthin, wo das Familienleben stattfindet. Dadurch sind wir nicht nur auf die Schilderungen der Familienmitglieder angewiesen, sondern können – mit der nötigen fachlichen Zurückhaltung – die Lebenssituation und die Interaktionen im Alltag besser verstehen. Wenn ein Termin zu Hause im Einzelfall nicht passt, treffen wir uns an einem anderen geeigneten Ort – etwa in unseren Büroräumen als neutralem Ort.
Warum kommen zwei Fachkräfte?
Wir kommen immer zu zweit – fachlich heißt das Co-Therapie im Tandem. Zwei Fachkräfte nehmen unterschiedliche Perspektiven ein und können dadurch Interaktionen genauer wahrnehmen und einordnen. Für Familien hat das einen praktischen Vorteil: Es gibt immer eine zweite Sichtweise, und niemand ist auf eine einzelne Person angewiesen.
Müssen immer alle Familienmitglieder dabei sein?
Nicht zwingend. Häufig arbeiten wir mit der gesamten Familie, aber je nach Situation sind auch Einzelgespräche mit Eltern, Kindern oder Jugendlichen sinnvoll. Ebenso können Paar- oder Geschwisterkonstellationen zeitweise einbezogen werden.
Mit welchen Methoden arbeiten Sie?
Die konkrete Arbeit wird individuell auf die Familie und ihre Ziele abgestimmt. Dazu gehören beispielsweise systemische Gesprächsführung, zirkuläres Fragen, Perspektivwechsel, Ressourcen- und Lösungsarbeit, die Arbeit an Kommunikations- und Beziehungsmustern, Genogrammarbeit, Visualisierungen und Aufstellungen, die Entwicklung neuer Konfliktlösungsstrategien sowie die Einbeziehung wichtiger Bezugspersonen und beteiligter Fachkräfte.
Wie lange dauert eine Aufsuchende Familientherapie?
Das lässt sich nicht pauschal sagen. Dauer, Intensität und Zielsetzung richten sich nach dem individuellen Bedarf Ihrer Familie und werden in der Hilfeplanung gemeinsam abgestimmt und regelmäßig überprüft. Ziel ist ausdrücklich nicht die dauerhafte Begleitung, sondern dass Sie den Familienalltag wieder eigenständig gestalten können.
Was passiert mit dem, was wir erzählen?
Wir arbeiten vertraulich. Gegenüber dem Jugendamt berichten wir im Rahmen der Hilfeplanung über den Verlauf der Hilfe – was das konkret bedeutet, besprechen wir zu Beginn offen mit Ihnen, damit Sie wissen, woran Sie sind. Was wir weitergeben und was nicht, ist für Sie jederzeit nachvollziehbar.
Sie suchen Unterstützung? Wir hören zu.
Ob Sie als Familie selbst nach Unterstützung suchen oder als Fachkraft eine Fallanfrage haben: Sprechen Sie uns an – telefonisch, per E-Mail oder persönlich.